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Vereinsgeschichte
1970

Vereinsgründung am 1. Dezember
Zwölf Mitglieder unterschiedlicher Berufsgruppen der damaligen Universitäts-Nervenklinik, dem heutigen Zentrum der Psychiatrie, gründen den Verein Bürgerhilfe Sozialpsychiatrie Frankfurt am Main e.V. Als Vereinsziele werden Öffentlichkeitsarbeit, Hilfen zur Verbesserung der klinischen Versorgung und die Errichtung von Wohngemeinschaften für psychisch Kranke in der Satzung verankert. Am 21. Januar 1971 wird der Verein als gemeinnützig anerkannt und am 23. Juni 1971 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Frankfurt am Main eingetragen.


1971

Einrichtung einer Wohngemeinschaft
Am 1. Oktober 1971 richtet der Verein eine der bundesweit ersten Wohngemeinschaften für psychisch kranke Menschen in Frankfurt-Sachsenhausen ein. Betreuung und medizinische Versorgung der fünf Bewohnerinnen und Bewohner werden von Vereinsmitgliedern übernommen.


1972
Im August erfolgt die Aufnahme in den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband - Landesverband Hessen e.V.


1973
Anerkennung als Dienststelle für Kriegsdienstverweigerer.


1974

Erste kulturelle Veranstaltung im Zentrum der Psychiatrie
Die vom Amt für Wissenschaft und Kunst der Stadt Frankfurt am Main geförderte und seit langen Jahren zum festen Bestandteil der Frankfurter Kultur-Szene gehörende Initiative hat wesentlich zur Öffnung der Klinik nach außen beigetragen. Viele auch überregional bekannte Künstler der unterschiedlichsten Genres - Musiker, Dichter, Schauspieler, Tänzer und viele andere - treten im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe in der Klinik auf. Bis heute haben fast 200 Kulturelle Veranstaltungen im Zentrum der Psychiatrie stattgefunden.


1975

Gründung des Theaterkreis
Ergänzend zu den kulturellen Veranstaltungen wird ein Theaterkreis ins Leben gerufen. Patienten, Mitarbeiter der Klinik und Vereinsmitglieder treffen sich unter Mitarbeit einer ehemaligen Schauspielerin regelmäßig zur Vorbesprechung von Theaterstücken und besuchen diese auch gemeinsam. Im Anschluss werden die Stücke - häufig gemeinsam mit an den Aufführungen beteiligten Schauspielern - noch einmal diskutiert.

Beginn des Laienberater-Modells
Unter fachlicher Supervision und wissenschaftlicher Begleitung bieten nichtprofessionelle Helfer einzelnen Patienten individuelle Hilfen bei ihren Problemen, vor allem aber soziale Kontakte und partnerschaftliche Beziehungen. Das Projekt wird nach zwei Jahren abgeschlossen. Im Dezember 1975 veranstaltet der Verein eine öffentliche „Diskussionsveranstaltung im Zentrum der Psychiatrie" und gibt zu diesem Anlass eine Informationsbroschüre heraus.
Sie trägt den Titel: „Kennen Sie Ihre psychiatrische Klinik?"

Ausstellung „Bilder der kranken Seele" im Zentrum der Psychiatrie


1976

„Frankfurter Psychiatriestreit"
Im Rahmen einer Sendereihe des Hessischen Rundfunks gibt die Bürgerhilfe dem Journalisten Ernst Klee Gelegenheit zu einer Gesprächsrunde mit Patienten, aus deren Tonbandaufnahmen eine Sendung entsteht. Im Zusammenhang mit deren Ausstrahlung und Zeitungsberichten kommt es zu einer Kontroverse, die als „Frankfurter Psychiatriestreit" bekannt geworden ist.

Erstausgabe der Zeitschrift "Treffpunkte"
Anlässlich einer Ausstellung der AKTION PSYCHISCH KRANKE in der Frankfurter Paulskirche erscheint die erste Ausgabe der Zeitschrift "Treffpunkte". In unterschiedlichem Umfang und in verschiedenen Erscheinungsformen ist die Zeitschrift bis heute ohne Unterbrechung erschienen.


1977

Verleihung des Innovationspreises durch die Kulturpolitische Gesellschaft e.V.
In Würdigung seines Engagements, kulturelle Angebote auch stationären Patienten zugänglich zu machen und gleichzeitig einen Beitrag zur Öffnung der Klinik zu leisten, wird dem Verein für die „Kulturellen Veranstaltungen im Zentrum der Psychiatrie" der Innovationspreis der Kulturpolitischen Gesellschaft e. V. aus Bonn verliehen.



1979

Stipendium für Kunsttherapie
Die Georg und Franziska Speyer' sche Hochschulstiftung gewährt eine Stipendium für Kunsttherapie zur Durchführung von Kunsttherapie auf den geschlossenen Abteilungen im  Zentrum der Psychiatrie. Später wird das Projekt Kunsttherapie auch außerhalb der Klinik in Räumen der Frankfurter Städelschule bis ins Jahr 1992 weitergeführt.


1980

Kunstausstellung in der Frankfurter Paulskirche
Im Frühjahr 1980 organisiert die Bürgerhilfe in Verbindung mit der von ihr herausgegebenen Zeitschrift "Treffpunkte" eine Kunstausstellung in der Frankfurter Paulskirche. 23 zum Teil international anerkannte Künstler beteiligen sich an der Ausstellung, die von ca. 10.000 Besuchern gesehen wird.


1981

Eröffnung des Teplitz-Pavillon
Gemeinsam mit anderen Institutionen aus dem sozialen Bereich richtet die Bürgerhilfe in Frankfurt-Sachsenhausen den Teplitz-Pavillon als außerklinische Klubeinrichtung und Beratungsstelle ein.



1986

Übernahme der ambulanten sozialpsychiatrischen Versorgung im Sektor Frankfurt-Süd
Aufbauend auf der Arbeit im Teplitz-Pavillon übernimmt der Verein im Rahmen der Sektorisierung der ambulanten sozialpsychiatrischen Versorgung den Bereich Frankfurt-Süd. Aus der außerklinischen Klubeinrichtung und Beratungsstelle entsteht die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle.


1989

Eröffnung der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle Frankfurt Süd und des Treffpunktes Süd in der Mörfelder Landstraße 45a direkt am Südbahnhof.
Um für die steigende Anzahl der Klienten besser erreichbar zu sein, zieht die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle zum Südbahnhof um.

Einrichtung von fünf Wohngemeinschaften mit insgesamt 14 Plätzen in Frankfurt-Niederrad. Nach zweijähriger Suche kann die Bürgerhilfe ein Haus und zwei Wohnungen in ihrem Sektor anmieten und sich damit am Projekt „Betreutes Wohnen für psychisch Kranke/seelisch Behinderte" des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen beteiligen.


1990

Inbetriebnahme der Tagesbetreuungsstätte Teplitz-Pavillon
Im Dezember 1990 wird in den ehemaligen Räumen der Beratungsstelle die zweite Tagesbetreuungsstätte in Frankfurt eröffnet. Zunächst ausgelegt auf 15 Besucher, erhalten im Laufe der Jahre in der Tagesstätte Teplitz-Pavillon bis zu 25 Klienten ein tagesstrukturierendes Angebot und fachliche Betreuung.


1991

Organisation, Planung und Durchführung der Frankfurter Psychiatriewoche
In den Jahren 1991, 1992, 1993 und 2000 übernimmt der Verein in Zusammenarbeit mit der Fachgruppe Psychiatrie im Psychosozialen Ausschuss der Stadt Frankfurt die Koordination der Veranstaltungen der jeweiligen Frankfurter Psychiatriewoche.


1992

In den frühen Morgenstunden des 1. August 1992 wird Christof Streidl - Gründungsmitglied und langjähriger 1. Vorsitzender des Vereins - bei dem Versuch, Unfallopfern auf der Autobahn ärztliche Hilfe zu leisten, überfahren und getötet.
Der Verein verliert seinen 1. Vorsitzenden; viele Mitglieder und Mitarbeiter einen Freund.


 



1994

Übernahme des Psychosozialen Krisendienstes
Mit dem Psychosozialen Krisendienst Frankfurt wird ein neuer Baustein im psychiatrischen Versorgungssystems geschaffen. Die Bürgerhilfe übernimmt den Aufbau und die Koordination des Krisendienstes im Einsatz, der am 1. Februar 1995 seine Arbeit aufnimmt.


1998

Pilotprojekt Klinische Sozialarbeit
Nach langen Verhandlungen mit Verwaltung und Betriebsrat der Johann Wolfgang Goethe-Universitätsklinik übernehmen 2 Sozialarbeiterinnen der Bürgerhilfe Sozialpsychiatrie die sozialarbeiterische Versorgung der beiden offenen Stationen 93-3 und 93-13 der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II. Die zunächst befristete Arbeit des Projektes Klinische Sozialarbeit stellt ein bislang einmaliges Pilotprojektes zu besseren Verzahnung stationärer und außerklinischer Sozialarbeit dar.



1999

Das ehemalige "Projekt" Betreutes Wohnen ist innerhalb von 10 Jahren zum "Herzstück" und einem der wichtigsten Bestandteile der sozialpsychiatrischen Versorgung geworden.
Von der Bürgerhilfe werden ca. 55 Personen im Frankfurter Süden in ihren Wohnungen bzw. in den drei Wohngemeinschaftshäusern der Bürgerhilfe betreut.
Der Dienst stellt mittlerweile den größten Mitarbeiter-Anteil des Betriebes.


2000

Im Oktober 2000 startet die Bürgerhilfe Sozialpsychiatrie ihren Internetauftritt unter www.bsf-frankfurt.de 



2002

Abschluss der gemeindepsychiatrischen Rahmenvereinbarung für das Stadtgebiet Frankfurt, an der auf der Basis der seit 1986 praktizierten sektoralen Versorgung die Bürgerhilfe die Versorgungsverpflichtung für den Frankfurter Süden formell übernimmt. Diese Verpflichtung beinhaltet den Betrieb mindestens einer Psychosozialen Beratungsstelle mit Freizeit- und Begegnungsangeboten, einer Tagesstätte sowie Plätze im Betreuten Wohnen abhängig von der Einwohnerzahl des Gebietes. Die Vereinbarung gewährleistet gemeinsame Qualitätsstandards und eine fortlaufende Vernetzung und Kooperation der beteiligten Trägerorganisationen (Vereine) untereinander sowie mit den Kostenträgern Stadt Frankfurt und Landeswohlfahrtsverband Hessen.


2003

Erweiterung der Begegnungsstätte Treffpunkt Süd und Umzug der Vereins-Geschäftsstelle.
Nachdem die Besucherzahlen des Treffpunkt Süd in den vergangenen 14 Jahren stetig gestiegen waren, wurde eine Erweiterung der Räume immer dringlicher. Die Bürgerhilfe wollte aber auf keinen Fall ein neues Objekt anmieten, welches eine ungünstigere Verkehrsanbindung gehabt hätte. Als dann für die Geschäftsstelle (die sich im selben Haus befunden hatte wie die Begegnungsstätte) neue Räumlichkeiten in die Holbeinstraße angemietet werden konnten, wurde der Treffpunkt Süd - nach längerer Umbauphase - runderneuert und mit deutlich größerer Fläche wieder in Betrieb genommen.


2005

Beendigung des Projektes Klinische Sozialarbeit durch Kündigung seitens der Uniklinik Frankfurt.


2006

Erste Planungen für ein seit Jahren diskutiertes neues Projekt: Schaffung von Wohnplätzen für alt gewordene psychisch kranke Menschen. Im Stadtteil Goldstein soll das ehemalige Sozialrathaus der Stadt Frankfurt zu einer Wohnstätte umgebaut werden. Es sollen insgesamt 25 unterschiedlich intensiv betreute Wohnplätze eingerichtet werden.

 

Der langjährige Vorsitzende Dr. Wolfgang Strehse, der die Bürgerhilfe besonders in den unruhigen Jahren 2004 / 2005 mit verschiedenen Wechseln in der Geschäftsführung engagiert und dabei ruhig und besonnen geführt hat, nimmt seinen Abschied in den wohlverdienten Ruhestand. Er bleibt der Bürgerhilfe als Mitglied und interessierter Berater und Beobachter von Hamburg aus erhalten.




2007

Durch Teamvergrößerungen werden die Räumlichkeiten der Büros in der Mörfelder Landstraße 44 zu eng. Im Frühjahr Umzug der Teams Betreutes Wohnen und Beratungsstelle mit nunmehr insgesamt 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Darmstädter Landstraße 104.

In diese Liegenschaft ist auch der Umzug und die Vergrößerung der Tagesstätte geplant, die im alten Teplitz-Pavillon schon lange an ihre räumlichen Kapazitätsgrenzen stößt.

 

Die Planungen des Wohnheims in Goldstein nehmen konkrete Formen an, indem Verträge und Finanzierungsvereinbarungen geschlossen werden, und im Spätsommer mit dem Umbau des ehemaligen Sozialrathauses Goldstein zu einer Wohnstätte für 25 Menschen begonnen wird.

 

Der langjährige Geschäftsführer der Bürgerhilfe, Eckard Seelig stirbt im Alter von nur 54 Jahren. Herr Seelig war bereits 2004 bei der Bürgerhilfe ausgeschieden und zunächst von Herrn Karl Wieß und ab Sommer 2005 von Herrn Gerhard Seitz-Cychy, dem jetzigen Geschäftsführer abgelöst worden.




2008

Das Jahr der Verwirklichung der großen Projekte der letzten Jahre bringt neben der lang ersehnten Eröffnung des Wohnheims in Goldstein im Mai auch den Umzug der Tagesstätte im Herbst in die neuen Räume am Sachsenhäuser Berg mit sich. 

Das Jahr bedeutet für die Bürgerhilfe eine Vergrößerung der Mitarbeiterzahl und des finanziellen Volumens um ein Drittel.

Die Bürgerhilfe hat nun ca. 40 Beschäftigte, die in den drei „Abteilungen“ Ambulante Dienste, Tagesstätte und Wohnheim jeweils über eine Leitungskraft verfügen, die im größer gewordenen Betrieb gemeinsam mit dem Geschäftsführer die Anforderungen des Alltagsgeschäftes bewältigen sollen.

Nach dieser organisatorisch und auch finanziell „anstrengenden“ Projektphase soll nun eine Zeit der Konsolidierung erfolgen.